Villingen-Schwenningen

Sie spricht mit Augen – und Herz

Schwarzwälder-Bote, 21.01.2013 00:06 Uhr




















Carolin Schmid (Mitte) ist schwerst-mehrfachbehindert. Trotzdem kann man sich mit ihr "prima unterhalten". Ihr WG-Nachbar Frederik Holzmann und ihre nicht behinderte Begleiterin Stefanie Hauser wissen das. Foto: Heinig Foto: Schwarzwälder-Bote Villingen-Schwenningen (bn).

Villingen-Schwenningen (bn). "Versteht Ihr, dass Euer "Anders" mein "Normal" ist?" Mit dieser Frage macht Carolin Schmids Homepage auf. Die 22-Jährige machte bei der Abschlussveranstaltung des Inklusionsprojektes "Mitten-drin" am Samstag im Landratsamt staunen.


Einen ganzen Tag lang konnten Besucher sich im Landratsamt ein Bild vom Projekt machen. Es wurde gekocht, gebastelt, gespielt, Leckeres gegessen, getanzt und Kino geschaut. Ein wenig mehr Interesse hätten sich alle Beteiligten allerdings gewünscht.


Bei der von Jan Hauser vom Kreissozialamt moderierten Eröffnung faszinierte Carolin Schmid. Sie leidet an spastischer Tetraplegie, sitzt im Rollstuhl, kann Arme und Beine nicht kontrolliert bewegen und nicht sprechen. Trotzdem kommuniziert sie seit wenigen Jahren mittels Augenkontakt über einen sogenannten "Talker". Und was die junge Frau am Samstag zu sagen hatte, lässt die Potenziale von Inklusion ahnen, die von der UN-Behindertenkommission auf den Weg gebrachten wurde.


Landrat Sven Hinterseh lobte das zweijährige Projekt unter der Leitung von Matthäusz Budasz, das dazu beigetragen habe, Inklusion, das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung, ein wenig mehr in den Köpfen zu verankern. Man habe "schon einige Hindernisse beiseite geräumt, aber noch nicht die Masse", realisierte Hinterseh.


"Normalität" sei nicht auf Knopfdruck zu erwarten, gab Projektmitarbeiterin Elli Demuth-Rösch zu bedenken. Die Gesellschaft sei gefordert, die verschiedenen Begabungen behinderten Menschen zu erkennen und machte klar,

dass noch ein weiter Weg zu bewältigen sei.




Diesen zu gehen und damit die Projektidee weiterzuentwickeln, hat sich eine Selbsthilfegruppe unter ihrer Leitung vorgenommen, die jetzt einen Verein gründen will. Am Donnerstag, 24. Januar, ist um 20 Uhr im Landratsamt (Raum 273) dazu die Gründungsversammlung.


Zurück zu Carolin Schmid: über ihr Kommunikationsgerät teilt sie mit, dass sie in einer betreuten Wohngemeinschaft lebt und es gar nicht mag, wenn sie abends "ungefragt ins Bett gesteckt" wird. Sie will nicht fremdbestimmt leben, ihr Essen nicht einfach vorgesetzt bekommen. "Mir entgeht fast nichts", übersetzt die Computerstimme und man fühlt sich ertappt, wenn sie fortfährt: "Viele glauben, ich verstehe nichts, weil ich nicht sprechen kann und wenden sich an meine nicht behinderten Begleiter. Dabei kann man sich mit mir ganz prima unterhalten, man muss sich nur ein wenig Zeit dafür nehmen".


Weitere Informationen: Carolin Schmid hat eine eigene Homepage: www.caro-schmid.de